Harald Leibrecht - Ihr Bundestagsabgeordneter für Neckar Zaber -

Sonntag, 5. September 2010  zurück Seite weiterempfehlen Druckversion

Schloss Ingersheim

Gesamtüberblick zur Geschichte von Burg und Schloss Kleiningersheim

Bereits in fränkischer Zeit war Ingersheim ein Hauptort der Region. 972 erstmals und 1388 letztmals wird eine Grafschaft Ingersheim erwähnt. Mit der Verwaltung dieser Grafschaft waren Mitglieder des Familienverbandes der Grafen von Calw - Löwenstein - Vaihingen betraut. Ortsadelige freie Herren von Ingersheim wurden seit 1147 genannt, ab 1242 als markgräflich badische Ministerialen.

Auf der 1313 erstmals urkundlich erwähnten Burg saßen vielfach wechselnde Familien, so die Ritter v.Schobilin (1242, 1277), Letscher v.Baden (1262, 1273), Grafen v.Zollern (1313), v.Dürrmenz (1334), v.Sturmfeder (1334), v.Gomaringen (1342), v.Bönnigheim (1342), Hans Keppelmann aus Marbach (1360), v.Urbach (1380/88), Schenken v.Winterstetten (1439), v.Stadion (1448), v.Emershofen (1464/85), v.Nippenburg (1469), v.Stammheim (1491), und v.Riexingen (1533).

Wichtige Bewohner waren die Herren von Sachsenheim (1344; Friedrich v.S. und seine Söhne Fritz u. Berthold; 1370 Schwarzhermann v.S. „gesessen zu Ingersheim“, Vater des Minnesängers Hermann v.S.(+1458), 1421 Schwarzfritz v.S.), die den dürftigen "burgstall" zu einem "schlos" ausbauten, und die Ritter Nothaft von Hohenberg (=Hochberg/Neckar; ab 1485), die ab 1565-1582 das erneut baufällig gewordene Gebäude in ein bequemeres Renaissance - Schlösschen umbauten (heutige Innenhofarkaden).

Ein bedeutender Besitzer späterer Zeit war der Geheime Kammersekretär (höchster Landesbeamte) Melchior Jäger von Gärtringen zu Höpfigheim auf Ebersberg und Jägersburg (+1611), der 1607 ein kaiserliches Privileg zur Umbenennung des Schlosses in "Jägersburg" erlangte.

In der Erbfolge gelangte der Besitz an die Familien Castner v.Schnaittenbach, Zinski,  Schaffalitzki von Muckatell, an bürgerliche Familien in hohen Militärdiensten (1683 Kriegsrat David Roth; 1692 Obristwacht-meister Johann Georg Schmid, beide Kommandanten der Landesfestungen Hohentwiel bzw. Hohenurach), dazwischen auch mal testamentarisch an einen treuen Diener (1669).

Umbauten im barocken Stil wurden nach 1706 vom Landschaftskonsulenten und Kanzleiadvokaten Joh. Dietrich Hörner durchgeführt. Ab 1726 gehörte Schloss Ingersheim dann für annähernd 200 Jahre den Freiherren von Woellwarth (Stammhaus Schloss Essingen bei Aalen), die den Schlossbesitz nur landwirtschaftlich nutzten.

Im Jahr 1908 wurde das Schloss Kleiningersheim an den Industriellen Carl von Ostertag-Siegle verkauft. Carl von Ostertag-Siegle (1860-1924) hatte im Jahr 1887 Margarete, die Tochter des Geheimen Kommerzienrats Gustav von Siegle (Gründung/Ausbau späterer Weltfirmen, z.B. BASF und WMF) geheiratet und war dadurch zu einem der reichsten Männer im Königreich Württemberg geworden.

Schwiegersohn Carl von Ostertag-Siegle, unter anderem Besitzer einer Tresorfabrik in Aalen, wurde 1909 in den erblichen Adelsstand des Königreichs Württemberg erhoben. Ganz in der Zeitströmung der Burgenromantik schien es ihm angemessen, das bescheidene Landschlösschen in Sinne einer überhöhenden Burgenarchitektur auszubauen. Das Stuttgarter Architekturbüro Eitel & Steigleder, das schon die schlossartige Villa Gemmingen in Stuttgart geplant hatte, wurde für den Umbau verpflichtet. Der Ingersheimer Umbau ist gekennzeichnet durch das in dieser Zeit wieder geschätzte Bewahren der alten Bausubstanz. Nicht ein völliger Neubau wurde angestrebt, sondern nur gezielte Akzente gesetzt, die den "Schloss" - Charakter des alten Bauwerks betonen sollten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Ingersheimer Schloss an Freiherr Josef Maria von Radowitz und dessen Ehefrau Eugenie von Mumm zu Schwarzenstein (Sektkellerei Mumm, Johannisberg/Rheingau) verkauft. Die Karriere der Besitzer als Berufsoffiziere machte ein Leben an oft entfernten Garnisonen notwendig, so dass das Schloss immer wieder vermietet wurde, so z.B. in der NS-Zeit als SA-Gauführerschule oder Heim für Pflichtjahr-Mädel. 1945 bezog das Bietigheimer Krankenhaus das Schloss, danach beherbergte es für einige Jahre ein Kinderheim der Inneren Mission.

1963 erwarb Prof. Dr. Walter Leibrecht das Schloss und richtete darin eine private Hochschule ein. Das Schiller College, später nach der staatlichen Anerkennung (USA) Schiller International University, bietet an 8 Standorten in 6 Ländern eine Reihe von international ausgerichteten Studiengängen bis zum Master-Abschluss und wird von Studierenden aus aller Welt besucht. Heute wird das renovierte Schloss von der Familie Leibrecht bewohnt und für Verwaltungsbüros der Hochschule genutzt.


Literatur zum Schloss Ingersheim: 

Stephan Molitor, Ein „Grafentag“ in Ingersheim (1105/1120), in: Ludwigsburger Geschichtsblätter 53/1999, S.9-13.
Richard Stein, Geschichte der Ortschaften Groß- und Kleiningersheim, Stuttgart 1903.
Jörg Weikert, Schloss Kleiningersheim, in: Burgen und Schlösser im Kreis Ludwigsburg, Ludwigsburg 1981.
Beschreibung des Oberamts Besigheim, 1853. Heimatbuch 1200 Jahre Ingersheim, Ingersheim 1979.

 

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